29. September 2022 / Aus aller Welt

200 Naturschützer im Kampf für Umwelt und Klima getötet

Wer sich Energiekonzernen, Bergbauunternehmern und Co. in den Weg stellt, gerät ins Fadenkreuz. Die erste Verteidigungslinie im Kampf gegen den Klimawandel: Indigene, Umweltschützer und Landaktivisten.

Im brasilianischen Sao Paulo protestiert die ethnische Gruppe der Guajajara für den Schutz ihrer Reservate.

Der Einsatz für Umwelt und Natur kann lebensgefährlich sein: Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Global Witness weltweit 200 Umweltschützer getötet. Das war ein leichter Rückgang gegenüber dem Jahr 2020, als 227 Aktivisten getötet wurden, wie die Gruppe bei der Vorstellung ihres Jahresberichts am Donnerstag mitteilte.

Über drei Viertel aller tödlicher Angriffe wurden in Lateinamerika registriert. Das gefährlichste Land für Naturschützer war mit 54 Tötungen Mexiko, gefolgt von Kolumbien (33) und Brasilien (26). Vor allem Aktivisten, die sich gegen Bergbau- und Energieprojekte, Landwirtschaft und Holzfäller einsetzen, leben gefährlich. Die meisten Tötungen würden nie aufgeklärt, berichtete die Organisation.

«Gewalt, Kriminalisierung und Schikanen»

«Überall auf der Welt riskieren Indigene, Umweltaktivisten und Naturschützer ihr Leben im Kampf gegen den Klimawandel und den Verlust der biologischen Vielfalt», sagte eine Sprecherin von Global Witness, Shruti Suresh. «Sie spielen eine entscheidende Rolle als erste Verteidigungslinie gegen den ökologischen
Kollaps, werden aber selbst angegriffen und sind Gewalt, Kriminalisierung und Schikanen ausgesetzt von repressiven Regierungen und Unternehmen, denen Profit wichtiger als Menschen und Umwelt ist.»

Die Organisation dokumentiert seit zehn Jahren Gewalt gegen Umweltschützer. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 1733 Aktivisten getötet - das entspricht einem Mord alle zwei Tage. Die Länder mit den meisten tödlichen Angriffen auf Naturschützer waren Brasilien, Kolumbien und die Philippinen. Vor allem Indigene werden immer wieder zur Zielscheibe: Sie machen 40 Prozent der Opfer aus, obwohl sie nur 5 Prozent der Weltbevölkerung repräsentieren.

«Unternehmen direkt für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich machen»

«Wir brauchen mehr Aufmerksamkeit für die Lage von Umweltaktivisten», sagte der philippinische Umweltschützer Jon Bonafacio. «Die Unternehmen, aber auch die Banken, die die Projekte finanzieren, müssen direkt für die Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht werden», forderte er.

Rund um die Eisenerzmine Peña Colorada im Westen von Mexiko etwa kämpfen Anwohner seit Jahrzehnten gegen Vertreibung und Umweltzerstörung. «Die indigene Bevölkerung ist in die Planung nie eingezogen worden. Jetzt fehlt es an Wasser, weil das Bergwerk alles verbraucht», sagte ein Anwalt, der die indigenen Dorfgemeinschaften vertritt und aus Sicherheitsgründen nicht namentlich genannt werden wollte. «Wer sich gegen die Mine einsetzt, wird entführt und ermordet.»

Im April 2021 wurde demnach beispielsweise José Santos Isaac Chávez getötet. Der Indigene war der einzige Kandidat für den Gemeinderat, der sich offen gegen das Bergwerk der multinationalen Konzerne Arcelor Mittal und Ternium aussprach. Er wurde mit Folterspuren tot in seinem Auto gefunden.

«Polizei keine große Hilfe»

Hinter der Gewalt steckt nach Einschätzung des Juristen das Drogenkartell Jalisco Nueva Generación. Die Gruppe gilt derzeit als das mächtigste Verbrechersyndikat in dem lateinamerikanischen Land und ist neben dem Drogenhandel auch in den illegalen Bergbau verwickelt.

«Die örtlichen Behörden und die städtische Polizei sind keine große Hilfe, weil sie mit dem Kartell teilweise unter einer Decke stecken», sagte der Anwalt. Er forderte eine größere Präsenz der Nationalgarde und konsequente Ermittlungen zu den verübten Gewalttaten: «Die Straflosigkeit muss aufhören.»


Bildnachweis: © Andre Penner/AP/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Warum nicht mal wieder ins Kino gehen
Für die ganze Familie

Bei unserem Partner Cinespace wird der Kinobesuch zum Genuss!

weiterlesen...
«Cannabis-Guide»: Wie Thailand zum Kifferparadies wurde
Aus aller Welt

Thailand hat 2022 Cannabis legalisiert - zuvor drohten dafür drakonische Strafen. Nun ist das Land das Mekka für Marihuana-Fans. Aber noch fehlt das finale Gesetz. Ein Leitfaden erklärt Touristen die Regeln.

weiterlesen...
Kfz-Mechatroniker (m/w/d) mit dem Wunsch zur Weiterbildung zum Kfz-Servicetechniker
Job der Woche

Sucht du eine neue Herausforderung? Dann komm ins Team von 53acht. Wir freuen uns auf dich

weiterlesen...

Neueste Artikel

Grizzlybär-Bestände in den Rocky Mountains erholen sich
Aus aller Welt

Es ist auf den ersten Blick eine gute Nachricht: Grizzlybären könnten bald nicht mehr als gefährdete Art gelten. Doch Naturschützer fürchten, was danach folgen könnte.

weiterlesen...
Weltkriegsbombe an Bahnstrecke Karlsruhe-Basel gesprengt
Aus aller Welt

Auch viele Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg tauchen immer wieder Bomben bei Bauarbeiten auf. Ein aktueller Fall hatte Folgen auch für den Fernverkehr zwischen Karlsruhe und Basel.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Grizzlybär-Bestände in den Rocky Mountains erholen sich
Aus aller Welt

Es ist auf den ersten Blick eine gute Nachricht: Grizzlybären könnten bald nicht mehr als gefährdete Art gelten. Doch Naturschützer fürchten, was danach folgen könnte.

weiterlesen...
Weltkriegsbombe an Bahnstrecke Karlsruhe-Basel gesprengt
Aus aller Welt

Auch viele Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg tauchen immer wieder Bomben bei Bauarbeiten auf. Ein aktueller Fall hatte Folgen auch für den Fernverkehr zwischen Karlsruhe und Basel.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner