25. Januar 2024 / Weltnews

735.000 Euro gestohlen - Nachwuchs-Banker will gestehen

Ein Geständnis hat er schon angekündigt. Doch nimmt er die Schuld alleine auf sich, oder beruft er sich auf Mittäter? Noch ist einiges unklar im Prozess gegen einen ehemaligen Bankmitarbeiter.

Der wegen Diebstahls angeklagte Mann (r.) wird vor Prozessbeginn in den Gerichtssaal geführt.

Ein zur Tatzeit 19 Jahre alter Bankmitarbeiter soll mit knapp einer dreiviertel Million Euro aus dem Tresor seines Arbeitgebers getürmt sein - nun hat der junge Mann vor dem Landgericht München I ein Geständnis angekündigt. Die Aussage des heute 21-Jährigen wurde beim Prozessbeginn jedoch zunächst verschoben, weil eine neu bestellte Gutachterin dabei anwesend sein soll.

Die Expertin soll eine der großen offenen Fragen klären: Hatte der Jung-Banker eine Reifeverzögerung oder nicht? Davon hängt ab, ob er nach Jugendstrafrecht oder nach allgemeinem Strafrecht verurteilt wird.

Auch sonst sind noch einige Fragen offen. Zum Beispiel, ob es Mittäter gab. Oder wo die Beute ist - sie ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Der Angeklagte könne sie auch nicht zumindest zum Teil zurückzahlen, zitierte der Vorsitzende Richter dessen Anwältin.

Denn die Verhandlung hatte mit intensiven Gesprächen hinter verschlossenen Türen begonnen. Eine Verständigung sei aber wegen der offenen Fragen zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, sagte der Richter im Anschluss in der öffentlichen Verhandlung.

Beute in den Rucksack gesteckt

Dem in Untersuchungshaft sitzenden jungen Mann droht eine längere Haftstrafe: Die Staatsanwältin stellte mit Blick auf eine mögliche spätere Verständigung für den Fall eines umfassenden Geständnisses bei einer Verurteilung nach Jugendstrafrecht zwischen viereinhalb und fünf Jahren und bei einer Verurteilung nach allgemeinem Strafrecht sechs bis sieben Jahren in den Raum. Die Verteidigung stellte sich dem Richter zufolge einen Rahmen von zwei Jahren und acht Monaten bis drei Jahren und sechs Monaten vor.

Der damals 19-Jährige hatte der Anklage zufolge ein knappes halbes Jahr in einer Bankfiliale in Feldkirchen bei München gearbeitet, als er bei der Bundesbank 220.000 Euro Bargeld für einen fiktiven Kunden bestellte. Am Tag der Lieferung am 29. Juli 2022 hatte er im Rahmen seiner Tätigkeit Zugang zum Tresor, wo er sich laut Anklage den gesamten Bargeldbestand von 735.500 Euro in seinen Rucksack steckte.

Als Kolleginnen Unstimmigkeiten bemerkten und ihn zur Rede stellten, erklärte er der Anklage zufolge, dass sein Leben von dem Geld abhänge und seine Oma große Schulden habe. Dann flüchtete er über den Personalausgang in die Tiefgarage und verschwand.

Rund ein halbes Jahr später stellte sich der junge Mann dann der Polizei. Dort gab er an, ein benachbarter Jugendfreund habe ihm gedroht, ihn selbst oder ein Familienmitglied zu töten, wenn er das Geld nicht stehle. Wie ein als Zeuge geladener Sachbearbeiter der Polizei weiter ausführte, habe der Angeklagte deshalb in dessen Auftrag den Tresor leergeräumt und das Geld an zwei ihm unbekannte Mittäter übergeben.

Das Urteil gegen den jungen Mann, der schon einige kleinere Vergehen begangen hatte und bei einem Arztbesuch aus der Untersuchungshaft zu fliehen versuchte, wird für Mitte Februar erwartet.


Bildnachweis: © Sven Hoppe/dpa
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