12. März 2022 / Aktuell

Halle 7 wird für Ankunft von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine vorbereitet

Kapazität: 656 Betten / Senatorin Stahmann: Die Lage bleibt angespannt

Angesichts der großen Zahl an Menschen aus der Ukraine, die seit dem Ausbruch der Kriegshandlungen am 24. Februar 2022 in Bremen angekommen sind, eröffnet die Sozialbehörde am Sonnabend, 12. März die Messehalle 7 mit 656 Plätzen als Erstunterkunft für Geflüchtete und Vertriebene. Anja Stahmann, Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport: "Die Messehallen mit insgesamt mehr als 1.200 Betten sind dann erste Anlaufadresse für alle Neuankommenden aus der Ukraine, die nicht direkt in privatem Wohnraum unterkommen." Am Aufbau in den Messehallen haben sich nach einem Aufruf des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Bremen 60 Ehrenamtliche beteiligt.
 
In Halle 7 werden 64 Kabinen aufgebaut mit jeweils vier oder sechs Doppelstockbetten, spartanisch eingerichtet nur mit den Betten, einem Tisch, sechs Stühlen und einem Spind. Damit können 656 Personen aufgenommen werden. Vier Container sind als Duschanlagen aufgestellt, weitere Sammelduschen gibt es im Untergeschoß. Der Cateringbereich wird 368 Menschen zeitgleich Platz bieten.

Zudem ist die Zahl der Plätze in Halle 6 von ursprünglich 250 auf jetzt 560 Betten aufgestockt worden. "Den Aufbau haben Beschäftigte der Messe Bremen (M3B) nach einer Rundmail spontan unterstützt", sagte Messechef Hans Peter Schneider, verbunden mit einem Dank an die Freiwilligen. Schneider: "Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, die Stadt Bremen in dieser dramatischen Lage zu unterstützen." In Halle 6 stehen damit 65 Kabinen und acht Container als Duschanlagen. Der Cateringbereich bietet Platz für 350 Personen gleichzeitig.

"Wir hatten schon vor dem Kriegsausbruch eine angespannte Lage im Unterbringungssystem für Geflüchtete und Duldungssuchende", sagte Senatorin Stahmann. "Bremen kann den Menschen im Moment nichts Anderes bieten als Notunterkünfte." Der Messe Bremen (M3B GmbH) dankte sie für die spontane Bereitschaft, in dieser humanitären Notlage flexibel zu reagieren.

Mit der jetzt eingerichteten Verteilstelle für Menschen aus der Ukraine in Hannover Laatzen solle eine gleichmäßigere Verteilung der Geflüchteten über die Länder der Bundesrepublik erreicht werden, sagte die Senatorin weiter. "Für uns verbindet sich damit die Hoffnung, dass mehr Menschen in den Süden und in den Westen Deutschlands geleitet werden, wo es noch viele freie Plätze in regulären Gemeinschaftsunterkünften gibt. Uns würde eine solche Entwicklung jedenfalls eine Verschnaufpause verschaffen und Zeit für den weiteren Aufbau des Unterbringungssystems geben. Mittelfristig brauchen wir ein zentrales System, das die gleichmäßige Beteiligung aller Länder bei der Aufnahme sicherstellt, genau wie bei Asyl- und Duldungssuchenden."

Vor diesem Hintergrund erneuerte die Senatorin ihre dringende Bitte an Privatpersonen, nicht auf eigene Faust loszufahren und Menschen von der polnisch-ukrainische Grenze oder aus Berlin abzuholen und nach Bremen zu fahren. "Ich finde es großartig, wie viele Bremerinnen und Bremer sich in diesen Tagen für die Menschen aus der Ukraine einsetzen und helfen wollen. Ich bitte aber dringend darum, diese Hilfsangebote koordinieren zu lassen." Zur Orientierung empfahl sie die Webseite von "gemeinsam in Bremen", auf der die AWO Bremen ehrenamtliche Angebote und Nachfrage im Auftrag der Stadt koordiniert. Wichtige Ansprechpartnerin sei in diesem Zusammenhang auch die Freiwilligenagentur.

Derzeit leben in den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes über 700 Menschen, die nach dem 24. Februar die Ukraine verlassen haben. Eine unbekannte Zahl an Menschen ist privat untergekommen, von mindestens 400 weiß die Sozialbehörde, weil sie sich zuvor in der Erstaufnahme gemeldet haben. Allein am Donnerstag haben sich 139 Menschen im System der Erstaufnahme in Bremen gemeldet, 129 wurden untergebracht. Rund 40 Prozent der Ankommenden sind minderjährig, darunter waren bis gestern Abend (Donnerstag, 10. März 2022) 90 Kinder unter fünf Jahren.

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